die Bergrettung

Die Bergrettung im Tannheimer Tal: immer häufiger auf App-Wegen

Wanderer, die an trügerischen Online-Hinweisen scheitern, bescheren den ehrenamtlichen Rettern zunehmend Notfall-Einsätze. Die Bergrettung im Tannheimer Tal kann ein Lied davon singen.

Wenn der Alarm piepst, legt Zimmermann Reinhold Bilgeri Hammer oder Säge zur Seite und macht sich bergfest. Alarm für die Bergrettung im Tannheimer Tal – „und meistens ist es um die Mittagszeit“, weiß der Obmann der Station Tannheim. Zusammen mit Kameraden und der Rettungsausrüstung im Rucksack macht er sich dann auf den Weg. Dorthin, wo der Notruf abgesetzt oder der Unfall beobachtet wurde. Egal, ob die Sonne scheint oder es Bindfäden regnet, ob es sommerlich warm oder winterlich frostig ist: Die ehrenamtlichen Helfer sind jederzeit bereit.

„Das ist wie bei der Freiwilligen Feuerwehr“, veranschaulicht Alexander Barbist, Obmann in Nesselwängle und Grän. „Wir helfen sofort, wenn ein Notfall eintritt.“ Arbeitgeber und Familien halten den Bergrettern den Rücken frei, damit die sich ganz auf ihren Einsatz konzentrieren können. Barbist wie Bilgeri verstehen die Aufgabe der Bergrettung im Tannheimer Tal daher auch als aktiven Beitrag zum Gemeinschaftsleben in ihren Gemeinden. „Wir sind kein reiner Servicebetrieb für den Tourismus. Unsere Aufgabe gibt es seit Menschen in den Bergen unterwegs sind, auch Einheimische“, erklären sie.

Drei Dinge, die man bei der Bergrettung im Tannheimer Tal braucht

Anders als in der Musikkapelle oder im Trachtenverein ist die Mitgliedschaft in der Bergrettung im Tannheimer Tal nicht unbedingt eine Familientradition. „Die Begeisterung für die Berge, die sportliche Natur und die Könnerschaft im alpinen Gelände müssen zusammenkommen, damit sich einer für diese Aufgabe entscheidet“, sagt Bilgeri. „Das ist eine Frage der Persönlichkeit.“ Manche, wie er selbst, entscheiden sich schon als Teenager, wobei, er lacht dabei, in seinem Fall der wichtigste Antrieb war: „Raus von zuhause…“

Es ist auch nicht so, dass jeder ohne weiteres bei der Bergrettung mitmachen kann. Zunächst entscheidet das örtliche Team über konkreten Bedarf. Dann dürfen sich „Anwärter“ über ein Jahr lang bewähren. Gelingt ihnen das, „dann folgen spezielle Kurse auf Landesebene, einer im Sommer, einer im Winter. Die sind recht anspruchsvoll, genauso wie die abschließende Prüfung“, berichtet Barbist. „Aber es geht ja auch um viel: Im Notfall zu wissen, was zu tun ist, um Gesundheit und Leben zu retten.“

Vage Wegbeschreibungen und unpassendes Schuhwerk

Dass die Bergrettung im Tannheimer Tal ausrücken muss, dafür gibt es viele Gründe. Manche überschätzen ihr Können oder ihre Kräfte, stellen die beiden Obmänner immer wieder fest. In jüngster Zeit seien es aber besonders häufig Wanderer, die falschen Wegweisern folgen. Wobei nicht die vorbildliche Bergwegebeschilderung im Tannheimer Tal gemeint ist, sondern die oberflächlichen Beschreibungen in Blogs und Apps. „Einmal haben wir eine Gruppe Mädchen aus tiefem Schnee befreit“, berichtet Bilgeri von einem Einsatz. „Die wollten zur Landsberger Hütte und sind dann an den letzten hundert Höhenmetern gescheitert.“ Sie hatten sich auf einen Online-Führer verlassen, in dem es hieß, der Weg sei auch im Winter gangbar. Seine Empfehlung: „Verlassen Sie sich nie auf ungeprüfte Quellen. Es gibt genügend Menschen hier im Tal, die sich auskennen. Fragen kostet nichts und ist auch keine Schande.“

Ein anderer häufiger Grund für Bergrettungseinsätze sind Fußverletzungen, vor allem umgeknickte Knöchel. „Was früher die sogenannten Halbschuhtouristen waren, das sind heute die Bergfreunde, die sich mit einfachen Sneakers ins felsige Gelände wagen“, sagt Barbist. „Manchmal treffen wir ganze Schulklassen inklusive Lehrer, die sich mit unzureichendem Schuhwerk auf Bergtour begeben. Da sind Stolperer und Stürze programmiert.“ Trotzdem: Nach der Schuld oder Fehlern von Verunglückten fragt bei der Bergrettung im Tannheimer Tal keiner. Sie verstehen ihren Einsatz, wie die beiden Obmänner bekräftigen, „als Dienst an den Menschen und als unseren Beitrag zu einem sicheren Leben in den Bergen“.

Bilder: Bergrettung Nesselwängle-Grän, Alexander Barbist