Bergnamen im Tannheimer Tal

Die Bergnamen im Tannheimer Tal - Teil 1

Heute schauen wir uns die Gipfel des Tannheimer Tals mal anders und aus der Ferne an. Wir gehen den Bergnamen auf den Grund: Wonach und von wem sind unsere Berge benannt?

Gipfelnamen erzählen spannende Geschichten. Im Tannheimer Tal werfen einige der Bergnamen immer wieder Fragen auf. Manche orientieren sich an der Form und Beschaffenheit der Bergspitze. Dann handelt es sich um sogenannte „Lagenamen“. Bei diesen Bezeichnungen sind oft alte Worte und Begriffe im Spiel. Aber auch allgemeine Naturerscheinungen wie die Witterung etwa waren trugen oft zum Namen bei. Andere Bezeichnungen sind inspiriert von der dortigen Pflanzen- oder Tierwelt. Genauso wurden besondere Landschaftsmerkmale in der Umgebung, wie Flüsse, zur Namensfindung herangezogen. 

Regionale Einflüsse in den Bergnamen

Kulturnamen hingegen beziehen sich auf die wirtschaftliche Nutzung der Orte. Ein solches Beispiel im Tannheimer Tal ist die Kälbelespitze. Der Gipfelname kommt von den dort grasenden zweijährigen Rindern: Die besagten Jungtiere genossen unterhalb des Gipfels ihre Sommerweide. Daneben gibt es Besitznamen. Sie richten sich nach den Eigentumsverhältnissen der jeweiligen Flächen. Andere Benennungen berufen sich auf kultisch-mythische und religiöse Namen. Die überlieferten Sagen, Märchen und Traditionen der Menschen spiegeln sich so in den heutigen Namen der Berggipfel wider. In seltenen Fällen gibt es dann auch noch künstliche und gelehrte Namen. Sie wurden von Geographen und Bergsteigern und, nicht zu vergessen, dem Fremdenverkehr geprägt.

Wer entscheidet, wie ein Berg heißt?

„Welcher Name schließlich in der Landkarte verzeichnet wird, legt übrigens – wie bei Straßennamen – stets die Gemeinde fest, auf deren Gemarkung sich ein Berg befindet“, sagt Johannes Fischer, Kartograph beim Deutschen Alpenverein. Nichts da also mit dem Recht des Erstbesteigers, „seinen“ Berg zu betiteln. Eher unwahrscheinlich aber auch, dass verdienten Bürgermeistern oder Sportgrößen die Ehre zuteilwird, dass sie nicht nur am Ort oder auf dem Stockerl ganz oben sind. Viele Bergnamen sind so entstanden, indem die Menschen, die in der Nähe wohnen, sie mit alltäglichen Beobachtungen verknüpft haben – auch im Tannheimer Tal. So auch das Neunerköpfle. Der Berg wurde erstmals 1797 in der Schmitt’schen Karte Südwestdeutschlands erwähnt. Damals hieß er allerdings noch Leinerkopf. Und wie wurde „Neunerköpfle“ daraus? 1898 klärt August Kübler in der Zeitung des deutschen und österreichischen Alpenvereins den Namen auf: Vom Tannheimer Ortsteil Höfen aus gesehen steht die Sonne genau um 9 Uhr über besagtem Gipfel. Aus diesem Grund nannten ihn die Bewohner „NeunUHRköpfle“. Im Laufe der Jahre wurde daraus der Neunerköpfle, den wir alle kennen.

Hinter einigen der Bergnamen verbergen sich auch heitere oder kuriose Geschichten. So hieß die Köllenspitze nicht immer so. Woher dieser Bergname stammt verraten wir nächste Woche!

Bilder: Christoph Lechleitner, Achim Meurer

Hier geht’s zu Teil 2 dieser Serie.